Über 30.000 Spiele sind inzwischen für Steam Deck und SteamOS als spielbar eingestuft. Technisch war Linux Gaming noch nie so gut wie heute. Trotzdem erleben Linux-Spieler regelmäßig, dass ein Spiel, das gestern lief, heute nicht mehr startet. Die Ursache sitzt nicht im Code, sondern in der Chefetage: Beim Thema Linux Gaming Anti-Cheat entscheiden Publisher, wer mitspielen darf. Zuletzt hat Ubisoft am 10. September 2026 For Honor für Linux gesperrt.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, warum das passiert, welche Spiele betroffen sind und wie du dich vor einem Fehlkauf schützt.
Linux Gaming 2026: Die Technik ist nicht mehr das Problem
Die meisten Windows-Spiele laufen unter Linux über Proton. Das ist eine Kompatibilitätsschicht von Valve, die auf Wine basiert. Proton übersetzt Windows-Aufrufe in Linux-Aufrufe, und DirectX-Grafik in Vulkan, sodass das Spiel gar nicht merkt, dass es nicht unter Windows läuft.
Wie gut das funktioniert, zeigen Valves eigene Einstufungen für das Steam Deck. Laut SteamDB (Stand 31.08.2026):
| Einstufung | Anzahl | Bedeutung |
|---|---|---|
| Verified | 8.939 | läuft ohne Einschränkungen |
| Playable | 21.067 | läuft, aber mit kleinen Einschränkungen (z. B. Launcher, Texteingabe) |
| Unsupported | 6.848 | läuft nicht oder ist gesperrt |
Zusammen sind das 30.006 Titel, die Valve als Verified oder Playable führt. Für Einzelspieler-Titel ist Linux damit längst eine ernsthafte Alternative.
Die drei Ebenen der Kompatibilität
Der YouTuber Linux Tex teilt Kompatibilität in drei Ebenen auf. Das Modell hilft zu verstehen, wo das Problem wirklich liegt:
- Ausführung: Läuft das Spiel technisch? Das ist die Aufgabe von Proton und inzwischen weitgehend gelöst.
- Middleware (Anti-Cheat, DRM): Ein Anti-Cheat ist eine Software, die Schummelprogramme erkennen soll. Die großen Systeme Easy Anti-Cheat (EAC, von Epic) und BattlEye bringen Proton-Support mit. Der Entwickler muss ihn aber aktiv einschalten.
- Zulassung: Der Publisher entscheidet, welche Systeme sich mit seinen Servern verbinden dürfen. Diese Entscheidung kann er jederzeit ändern.
Wie klein die Hürde auf Ebene 2 ist, zeigt EAC: Seit Januar 2022 müssen Entwickler laut Valve nur den Linux-Support im EAC-Dashboard aktivieren, die Linux-Bibliothek neben die Windows-Version ins Spiel-Depot legen und einen neuen Build veröffentlichen. Neu kompilieren müssen sie nichts.
Wenn ein Spiel also nicht läuft, obwohl das verwendete Anti-Cheat Linux unterstützt, ist das meistens eine Entscheidung auf Ebene 3.
Chronik: Wenn Publisher den Stecker ziehen
| Spiel | Publisher | Wann | Was passierte |
|---|---|---|---|
| GTA Online | Rockstar | 17.09.2024 | BattlEye eingeführt, Proton-Support nicht aktiviert. Story-Modus läuft, Online nicht. |
| Battlefield 1, V, 2042 | EA | ab Aug./Sept. 2024 | Umstieg auf EA Javelin, einen Kernel-Anti-Cheat ohne Linux-Support |
| Apex Legends | EA / Respawn | 31.10.2024 | Nach Jahren über Proton komplett für Linux gesperrt |
| Rust | Facepunch | Aussage Nov. 2025 | „Keine Pläne“, Proton oder Linux zu unterstützen |
| For Honor | Ubisoft | 10.09.2026 | Nach eigens eingebautem Steam-Deck-Support (Juli 2023) wieder gesperrt |
For Honor: erst freigeschaltet, dann ausgesperrt
Der Fall For Honor zeigt das Problem besonders deutlich. Im Juli 2023 veröffentlichte Ubisoft ein Easy-Anti-Cheat-Update mit dem Hinweis, dass es das Spiel auf dem Steam Deck spielbar macht. Drei Jahre später folgt die Kehrtwende. Ubisoft begründet sie so:
„We are removing For Honor from the Linux platform to ensure a safer environment for our players as we cannot meaningfully deploy protection on this platform.“
Seit dem 10. September 2026 ist das Spiel auf Steam Deck, Steam Machine und Linux-Desktops nicht mehr spielbar. Ubisoft stellt eine Rückkehr „in der Zukunft“ in Aussicht, nennt aber keinen Zeitplan.
Apex Legends: „ein Weg für Exploits und Cheats“
Ähnlich lief es bei EA. Apex Legends lief jahrelang über Proton auf dem Steam Deck, bis Respawn am 31. Oktober 2024 den Zugang sperrte. Die Begründung: Linux sei „a path for a variety of impactful exploits and cheats“. Wer auf dem Steam Deck weiterspielen will, müsste Windows installieren.
GTA Online: Anti-Cheat mit Linux-Support, aber abgeschaltet
Bei GTA Online ist die Lage besonders ärgerlich. BattlEye unterstützt Proton, Rockstar hat diese Option aber nicht aktiviert. Die offizielle Aussage lautete schlicht, das Steam Deck unterstütze BattlEye für GTA Online nicht.
Das Gegenbeispiel: Rocket League
Dass es anders geht, zeigt Psyonix. Rocket League bekam am 30. April 2026 Easy Anti-Cheat, und die Entwickler erklärten ausdrücklich: „Steam Deck and Linux are also supported.“ Mods funktionieren online seitdem nicht mehr, offline lässt sich das Anti-Cheat abschalten.
Beide Spiele nutzen also dasselbe Anti-Cheat-System. Der Unterschied liegt allein in der Entscheidung des Publishers.
Warum sperren Publisher Linux aus?
Fairerweise gibt es Argumente auf der Publisher-Seite:
- Offenes System: Unter Linux hat der Nutzer volle Kontrolle über Kernel und System. Genau das, was wir an Linux schätzen, macht es für Anti-Cheat schwer, verlässlich zu prüfen, ob etwas manipuliert wurde.
- Zusätzliche Front: Rust-COO Alistair McFarlane argumentiert, jede weitere Plattform sei ein weiterer Angriffsvektor für Cheat-Entwickler, der wegen der kleinen Nutzerbasis schlecht gepflegt würde.
- Kleiner Marktanteil: Laut Steam-Hardware-Umfrage lag Linux im August 2026 bei 3,90 %. Für manche Publisher rechnet sich der Aufwand nicht.
Die Sicherheitsbedenken sind nicht aus der Luft gegriffen. Wenn aber dasselbe Anti-Cheat bei einem Spiel mit Linux funktioniert und beim nächsten angeblich nicht, geht es weniger um Technik als um Prioritäten. Ob Cheater tatsächlich in nennenswertem Umfang über Linux kommen, belegt bisher keiner der Publisher mit Zahlen.
Die nächste Stufe: Kernel-Anti-Cheat und Hardware-Attestierung
Ein Kernel-Anti-Cheat läuft mit den höchsten Rechten direkt im Betriebssystemkern. Unter Proton ist das nicht möglich, weil Proton keinen Windows-Kernel mitbringt. Beispiele sind EA Javelin oder Riot Vanguard.
Riot geht noch weiter. Vanguard verlangt je nach System:
- TPM 2.0: ein Sicherheitschip, der die Unversehrtheit des Systems bestätigen kann
- Secure Boot: stellt sicher, dass beim Start nur signierte Software geladen wird
- Memory Integrity (HVCI/VBS): schützt Windows per Virtualisierung vor manipulierten Treibern
- IOMMU: schützt den Arbeitsspeicher vor direkten Zugriffen durch Geräte
Das Ziel solcher Systeme ist eine Attestierung: Die Hardware bestätigt dem Server, dass ein unverändertes, bekanntes Betriebssystem läuft. Ein frei konfigurierbares Linux kann das bauartbedingt kaum leisten.
Linux Tex befürchtet deshalb, dass Linux Gaming bei Online-Spielen künftig nur noch auf abgeriegelten Systemen wie einem verriegelten SteamOS geduldet werden könnte. Das ist eine Prognose, keine belegte Entwicklung. Aus Sicht digitaler Souveränität wäre es aber ein bitterer Tausch: Spielen dürfen nur, wer die Kontrolle über den eigenen Rechner abgibt.
Was du als Linux-Gamer tun kannst
Vor dem Kauf prüfen
Gerade bei Multiplayer-Spielen lohnt sich ein Blick in diese Listen:
- AreWeAntiCheatYet: Community-Datenbank mit 1.167 Spielen (abgerufen am 19.09.2026). 53 davon sind als „Denied“ markiert, also vom Entwickler gezielt gesperrt.
- GamingOnLinux Anti-Cheat-Liste
- ProtonDB: Erfahrungsberichte zu fast jedem Steam-Spiel
Anti-Cheat-Runtimes installieren
Damit EAC- und BattlEye-Spiele mit freigeschaltetem Proton-Support laufen, braucht Steam zwei Runtimes. Normalerweise installiert Steam sie automatisch. Falls nicht, geht es per Terminal:
bash
# Proton EasyAntiCheat Runtime
steam steam://install/1826330
# Proton BattlEye Runtime
steam steam://install/1161040
Beide erscheinen danach in der Steam-Bibliothek unter „Tools“.
Rückerstattung nutzen
Steam erstattet Käufe in der Regel, wenn der Kauf weniger als 14 Tage zurückliegt und du weniger als zwei Stunden gespielt hast. Teste ein neues Online-Spiel also direkt nach dem Kauf.
Mit dem Geldbeutel abstimmen
Publisher reagieren auf Zahlen. Wer Spiele kauft, die Linux ausdrücklich unterstützen, und das in Reviews erwähnt, sendet ein Signal.
Was Plattformen besser machen könnten
Linux Tex stellt im Video konkrete Forderungen an Stores wie Steam:
- klare Kennzeichnung, ob der Publisher Linux offiziell unterstützt, inklusive Historie
- getrennte Bewertung für Einzelspieler- und Online-Modus
- rechtzeitige Ankündigung vor einer Sperre und faire Rückerstattung
Ich halte vor allem den ersten Punkt für wichtig. „Playable“ sagt heute etwas über die Technik aus, aber nichts darüber, ob der Publisher dich morgen noch reinlässt.
Fazit
Linux Gaming hat sein technisches Problem weitgehend gelöst. Proton bringt über 30.000 Titel auf Steam Deck und SteamOS. Die neue Hürde bei Linux Gaming Anti-Cheat ist politisch: Publisher wie EA, Rockstar oder Ubisoft entscheiden, dass Linux-Spieler draußen bleiben, obwohl die verwendeten Anti-Cheat-Systeme Linux teilweise unterstützen. Rocket League zeigt, dass es auch anders geht.
Meine Empfehlung: Für Einzelspieler-Titel kannst du Linux bedenkenlos nutzen. Bei kompetitiven Online-Spielen prüfst du vor dem Kauf die Anti-Cheat-Listen und nutzt im Zweifel die Rückerstattung. Und wenn ein Spiel, das dir wichtig ist, nur unter Windows läuft, ist ein Dual-Boot eine pragmatische Übergangslösung, auch wenn es sich falsch anfühlt.
FAQ
Warum laufen manche Spiele nicht auf dem Steam Deck?
Meist liegt es am Anti-Cheat. Entweder nutzt das Spiel einen Kernel-Anti-Cheat ohne Linux-Support, oder der Publisher hat den vorhandenen Proton-Support von Easy Anti-Cheat oder BattlEye nicht aktiviert.
Funktioniert Easy Anti-Cheat unter Linux?
Ja, seit 2021/2022 unterstützt EAC Proton. Der Entwickler muss den Support aber aktiv einschalten. Ob ein Spiel das tut, zeigt AreWeAntiCheatYet.
Warum wurde For Honor für Linux gesperrt?
Ubisoft gibt an, auf Linux keinen wirksamen Cheat-Schutz umsetzen zu können. Seit dem 10. September 2026 ist das Spiel auf Steam Deck und Linux nicht mehr spielbar.
Läuft Valorant unter Linux?
Nein. Riot Vanguard ist ein Kernel-Anti-Cheat und verlangt unter anderem TPM 2.0 und Secure Boot unter Windows.
Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ein Spiel nachträglich gesperrt wird?
Die Standard-Rückerstattung bei Steam gilt nur innerhalb von 14 Tagen und unter zwei Stunden Spielzeit. Bei nachträglichen Sperren gibt es keine allgemeine Regel. Einen Antrag beim Steam-Support zu stellen, schadet aber nicht.



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